Alle Inhalte dieser Site Copyright © C. Ozdoba   •   „Corgi Toys“ und das Corgi-Hunde-Logo Copyright © Hornby Hobbies Limited
Logo der Website „Corgi-Sammler.ch“

Allgemeine Themen
Hinweise für Sammler

 
Zustand von Modell und Schachtel • Fälschungen

      Bei meinem Wieder-Einstieg in die Corgi-Welt musste ich mich zunächst in die in Sammlerkreisen übliche Terminologie einarbeiten und habe ausserdem gelernt, dass es Fälschungen von so ziemlich allem gibt: Schachteln, Anleitungen, Räder, …

      Wie bei allen Sammlerstücken – Briefmarken, Münzen, Porzellan, Silber – ist das A und O für Wert und Preis neben der Seltenheit die Erhaltung. Für neuwertige Stücke hat sich die Bezeichnung mint etabliert, die eigentlich aus der Numismatik stammt und den prägefrischen Zustand einer Münze beschreibt. Bei Briefmarken ist mint never hinged der Zustand „postfrisch“, bei anderen Sammelobjekten bezeichnet es einen neuwertigen Zustand. („Neu“ sind Modellautos aus den 60ern praktisch nie; es gibt den Sonderfall des NOS (new old stock), wenn irgendwo noch Modelle aus alten Lagerbeständen auftauchen.)

      Aus der Zeit, als ich Kameras gesammelt habe, kannte ich bereits die Begriffe NIB und NIBP für new in box und new in box with papers. Entsprechend finden wir ein MIB (mint in box) für Modellautos in Top-Zustand in der Originalschachtel.
      Manzke weist in seinem schon vor mehr als 25 Jahren erschienenen Buch darauf hin, dass sich zunehmend der Standard mint in mint box etabliert, bei dem auch bei der Schachtel darauf geachtet wird, dass sich diese in absolut neuwertigem Zustand präsentiert. Eingerissene oder fehlende Laschen sind da für ein mint nicht mehr akzeptabel – meiner persönlichen Meinung nach eine ungute Entwicklung, die zu völlig überzogenen Preisen führt. Ein Modell in near mint condition in einer Schachtel, der man ihre 60 Jahre auch ansehen darf, ist immer noch ein sehr schönes Sammlerstück.
      2021 wurde eine phantastische Sammlung versteigert. Der Zuschlagpreis von knapp US$ 24 000,– ist natürlich hoch, war aber in Anbetracht des Gebotenen geradezu ein „Schnäppchen“: 200 Modelle, teilweise aus der sehr frühen Zeit, in Schachteln, die aussehen, als habe man sie gerade verpackt. Die → knapp 600 Bilder dieses Auktionsloses sind sehenswert!

      Schachteln werden übrigens auch nachgedruckt; bei Ebay finden Sie solche Schachteln ebenso wie Druckvorlagen dafür. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn der Verkäufer diese Stücke korrekt deklariert. (Werden sie als Originale angeboten, müssen sie als Fälschung eingestuft werden.) Ehe Sie Ihr Modell aus den späten Fünzigern in irgendein Behältnis stecken, ist es in einer reprinted box sicher besser aufgehoben. (Schachteln können sehr teuer werden; ich habe einmal die Schachtel – ohne Modelle! – für → das wahrscheinlich teuerste Corgi-Modell aus regulärer Produktion, das Gift Set No. 15 „Silverstone Racing Layout“, für mehr als £500.00 angeboten gesehen.)

      Von solchen Neudrucken, die üblicherweise schon wegen ihres hervorragenden Zustands leicht als solche zu identifizieren sind, muss man wirkliche Fälschungen unterscheiden, mit denen versucht wird, aus einem Massenprodukt eine Rarität zu machen. Anfällig dafür ist z. B. das in dieser Version nur sechs Monate lang hergestellte Batmobil mit roten Rädern; bei Clausse finden Sie den Hinweis, dass es schon ein bisschen stutzig machen sollte, wenn an einem Auto in neuwertigem Zustand Räder mit deutlichen Gebrauchsspuren montiert sind.
      Fälschungen zu erkennen, kann ein Problem sein; van Cleemput weist darauf hin, dass es praktisch unmöglich ist, zu erkennen, ob John Steeds Regenschirme im Gift Set No. 40 „The Avengers“ zeitgenössische Produkte oder moderne Erzeugnisse (heute wohl aus einem 3D-Drucker) sind.

      Soviel als kurze Einführung zum Thema. Von Fälschungen werden Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit als „Normalsammler“, der nicht auf der Suche nach extrem seltenen Superraritäten ist, verschont bleiben. Zu den Erhaltungsgraden empfehle ich die intensive Beschäftigung mit Auktions- und Händlerangeboten; Sie werden einen Blick dafür entwickeln und dabei leider auch das eine oder andere schwarze Schaf entdecken.

 
Was sind Code-1/2/3-Modelle?

      Diese Bezeichnungen begegnen Ihnen bei Fahrzeugen mit speziellen Lackierungen und Beschriftungen (v. a. Firmenwerbung/‑aufdrucke), die Sie so nicht im Katalog finden. Definitionen dieser Begriffe finden Sie schon im Buch von Manzke, aber aktuell auch im Web (z. B.  im → Toy Price Guide). Die Begriffe bedeuten:

Code 1:
Vollständig vom Original-Hersteller produziertes Modell („manufactured and finished“); spezielle Lackierungen, Abziehbilder etc. werden ebenfalls vom Hersteller, gegebenenfalls nach Spezifikationen eines Auftraggebers, aufgebracht.
 
Code 2:
Vollständig vom Original-Hersteller produziertes Modell; abschliessende Bearbeitung („final finishing“) durch Auftraggeber oder von ihm beauftragte dritte Partei.
 
Code 3:
Ohne Kenntnis oder Beteiligung des Original-Herstellers modifiziertes Modell, z. B. andere als die ursprünglich werksseitig verfügbare Farbe, andere/neue Beschriftung (Abziehbilder) etc.

      Ein Code-3-Modell wird ein seriöser Händler immer auch als solches verkaufen und nicht versuchen, Ihnen viel Geld für eine „seltene Farbvariante“ abzunehmen. Gerade solche umfassenden Veränderungen führen uns dann zum letzten Thema dieser kurzen Einführung; hier kommen wir vom Modelle sammeln schon in den Modellbau:

 
Restaurierung

      Solide handwerkliche Fähigkeiten und einiges an Werkzeug sind erforderlich, wenn Sie aus einem zerkratzten Wrack mit fehlenden Reifen, matt gewordener Verglasung und verrosteten Achsen wieder ein ansehnliches Modell machen wollen. Eine Airbrush-Ausrüstung ist ebenso Pflicht wie eine Sammlung diverser Feinwerkzeuge und verschiedener Mittel zum Abbeizen, zur Kunststoff-Regeneration usw. Der Aufwand ist enorm, wenn man die investierte Zeit betrachtet; das Restaurieren ist eigentlich schon ein eigenes Hobby.
      Die Videoplattform YouTube bietet zahlreiche detaillierte Videos zum Thema; suchen Sie dort einmal nach „Corgi diecast restoration“ – da wird teilweise wirklich grossartige Arbeit abgeliefert.

      Irgendwann kommen Sie aber bei solchen Arbeiten an den Punkt, an dem man nicht mehr reparieren kann, sondern ersetzen muss. Fast jede Art von Ersatzteil – Verglasungen, Kühlergrills, Signalhörner, Inneneinrichtungen, Kranhaken und was es sonst so gibt – finden Sie im spezialisierten Fachhandel oder bei Ebay. Restaurations-Profis stellen allerdings sämtliche Teile und sogar ihre Reifen selbst her; ein Beispiel finden Sie in → diesem Video.
      Wenn Sie sehen, dass dieses Modell in mint condition für unter £100.00 zu haben ist und in dem Video berichtet wird, dass allein das Richten des Kranauslegers vier Stunden gedauert hat, wird klar, warum ich das als eigenständiges Hobby betrachte. Das macht man nicht, um Geld zu sparen, sondern weil es Spass macht!
      Eine lästige Angewohnheit der Firmen müssen Sie bei Restaurationsarbeiten eigentlich immer als erstes überwinden: Die Bodenplatten waren nicht verschraubt, sondern vernietet (bei Corgi und Dinky; Dinky stellte später auf Schrauben um). Nach dem Ausbohren der Nieten kann es dann losgehen. Viel Spass!


Literatur:


Zurück zur Startseite.


Copyright © 2023 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 6. April 2023, letzte Bearbeitung am 28. November 2023.


Adresse dieser Seite: https://www.corgi-sammler.ch/allg/corgi_hinweise.html

Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard HTML 5